Ich möchte nicht behaupten, daß in unserem Haushalt ökologisch alles zum Besten steht, aber immerhin bilden wir uns doch ein, eine ganze Menge für die Umwelt zu tun. Klar doch, auch wir haben einen PKW, sogar einen Dieselstinker ohne Rußfilter. Aber dann erklären Sie mir mal, wie man mit Kinderwagen und Kleinkind, diversen Einkaufsbeuteln (natürlich Jute statt Plastik!) und Pampers-“Riesen-Sparpaket“ in die tieferen Gefilde der U-Bahn eintaucht, wenn die Rolltreppe gerade mal wieder defekt ist oder gar nicht vorhanden! Sie sind immer auf einen netten Mitfahrer angewiesen, der Ihnen bei dieser Aktion behilflich ist – nur leider scheint diese Spezies Mensch in Berlin am Aussterben zu sein (vielleicht sollte man sie mit in die Rote Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten aufnehmen!). Weiter Genau, den Windel-Mietservice nehmen wir auch nicht in Anspruch – das erschien uns doch etwas zu gewagt: wohin schließlich mit den gebrauchten Windeln, ohne daß sich ihr diskreter Duft in der ganzen Wohnung ausbreitet bis sie abgeholt werden? Mal ganz davon abgesehen, daß eine zünftige Stoffwindel den zarten Kinder-Popo schon alleine von ihrer Struktur her nicht so verwöhnen kann wie eine richtige Vlieswindel, die dann auch noch in der geschlechtsspezifischen „Puller“-Richtung besonders aufnahmefähig ausgelegt ist! Etwas unwohl ist uns ja schon immer bei dem Gedanken gewesen, welche Massen an Abfall wir – beziehungsweise unsere Kinder – damit tagtäglich produzieren. Aber auch die Vlieswindel-Hersteller scheinen dieses Problem (oder verkaufsfördernde Werbeargument) erkannt zu haben und produzieren nun ÖKO-Wegwerf-Windeln – was auch immer das sein mag. Etwas ökologischer wäre wohl eine separate Windel-Mülltonne, deren Inhalt dann von den Stadtwerken kompostiert werden kann. Aber damit wären wir schon in medias res! Unser erster Schritt in Richtung ökologischer Haushalt war die Separation von Müll, Glas, Altpapier, organischem Material und Plastik. Ersteres funktioniert inzwischen in Berlin ja sehr gut. Dummerweise scheint es – nicht nur in unserem Hause – etliche Zeitgenossen zu geben, die farbenblind sind und die blauen Papiertonnen des öfteren mit den grünen Glastonnen verwechseln! Organisches Material verabreichen wir unseren ca. 2.000 Haustieren von der Gattung Kompostwurm, die in unserer Wurmkiste auf dem Balkon damit beschäftigt sind, Blumenerde in Massen zu produzieren.
Nur mit dem Plastikmüll sind wir ganz mächtig baden gegangen! Nachdem wir uns die Mühe gemacht hatten und unsere – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – angefallenen Plastikflaschen, -dosen und -behälter in akribischer, teils detektivischer Kleinarbeit nach Material getrennt und von Inhaltsresten gereinigt in verschiedene Kartons einzusortieren, brachten wir diese nicht ohne ein gewisses erhabenes Gefühl ob unseres Einsatzes für den Umweltschutz zu einer BSR-Sammelstelle. In der Gewißheit, hier werde zumindest ein Teil unseres Plastikmülls wieder einer der Menschheit nützenden Verwertung zugeführt, stellten wir die Kartons ab. Aber die Ernüchterung kam schnell: „Det Zeugs werfen Se ma´gleich da hinten in den Hausmüllcontainer“ meinte der Mann von der BSR und war auch nicht mit ökologischen Argumenten umzustimmen: „Der Grüner-Punkt-Container is gerade voll geworden!“ Nun, wir hatten dazugelernt und unser Haushalt wurde wieder um ein ökologisches Element bereichert: von nun an wird nur noch so eingekauft, daß möglichst wenig Plastikmüll anfällt. Zum Beispiel die Waschmittel: auf regenwasserweiche, heizstabschonende, aprilfrische und schäfchenweiche Handtücher muß ich schon seit geraumer Zeit verzichten. Zugegeben, der Umstieg viel mir anfangs ziemlich schwer. Aber das ganze hat auch einen Vorteil: ich brauche mich nicht eine halbe Stunde abzurubbeln bis das Badewasser die Weichmacher-Moleküle durchdrungen hat und das Handtuch endlich seinen eigentlichen Zweck erfüllt. Außerdem können wir dasselbe Waschmittel auch für die Geschirrspülmaschine einsetzen. Sie haben richtig gelesen, wir benutzen eine solche – allerdings erst, nachdem wir mehrere Abende mit Taschenrechner und technischen Datenblättern verbracht hatten. Danach war die Ökobilanz aufgestellt und die Entscheidung zugunsten der maschinellen Küchenhilfe gefallen: geringerer Strom- und Wasserverbrauch und – vorausgesetzt, man benutzt nicht unbedingt die käuflichen Spezialmittel – auch keine höhere Abwasserbelastung als beim täglichen Handspülgang. Endlich hatten wir einmal eine umweltverträgliche Maßnahme gefunden, die auch dem menschlichen Drang nach Bequemlichkeit entgegenkam! Allerdings erinnere ich mich mit Schrecken an das erste Mal, als ich, mit einer langen Einkaufsliste und diversen Plastikflaschen bewaffnet, in dem bewußten Geschäft stand, welches diese Öko-Waschmittel vertreibt. Zunächst stand ich vor einem großen Regal, das von oben bis unten vollgestopft war mit 10-L-Behältern, die mit so blütenreichen Namen wie Gruwa, Stawa, Proweiß, Probunt, Kalweg und Biozym-F oder Biozym-SE bezeichnet waren. „Gezapft wird hier selber“ hatte mir die Verkäuferin erklärt. Gesagt, getan – nur waren die Zapfhähne doch etwas eigenwillig und ließen sich nicht auf Anhieb wieder richtig schließen. So gelangte denn ein halber Liter Kalweg in meine Flasche und ein weiterer viertel Liter floß in die – wohlweislich – auf der Erde stehende Auffangschale. Aber Übung macht den Meister, und so reduzierte sich die Überflußmenge mit jeder weiteren mehr oder weniger gefüllten Flasche. Heute, nach zwei Jahren Einkaufserfahrung bin ich natürlich ein richtiger Meister im Abfüllen und habe mir sagen lassen, daß ähnliche Probleme auch bei ganz „normalen“ Hausfrauen/männern auftauchen, die ihr ökologisches Gewissen mit preisgünstigen, doppelt waschwirksamen, verpackungssparenden und natürlich grüngepunkteten Nachfüllpacks der Spitzenprodukte unserer Waschmittelindustrie beruhigen wollen.